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Fachkräftemangel im Handwerk 2026: Zahlen, Gewerke, Regionen

Im deutschen Handwerk sind aktuell rund 250.000 Stellen unbesetzt. Das schätzt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) für 2026. Mit am stärksten betroffen sind die Gewerke Bau, wo Stellen laut Bundesagentur für Arbeit im Aus- und Trockenbau im Schnitt 300 Tage unbesetzt bleiben, sowie Sanitär, Heizung und Klima mit durchschnittlich 295 Tagen.

Wie stark der Mangel wirkt, unterscheidet sich dabei erheblich je nach Region. Dieser Artikel ordnet die aktuellen Zahlen ein und zeigt, worauf Betriebe bei der Einstellung selbst Einfluss haben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund 250.000 Stellen sind im deutschen Handwerk unbesetzt (Quelle: ZDH)
  • Die durchschnittliche Vakanzzeit im Handwerk insgesamt stieg von 104 Tagen im Jahr 2015 auf 224 Tage im Jahr 2024 (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)
  • Am längsten unbesetzt bleiben Stellen im Bauhandwerk, etwa im Aus- und Trockenbau mit rund 300 Tagen. Ebenfalls stark vertreten sind SHK-Berufe mit rund 295 Tagen (Quelle: Bundesagentur für Arbeit, via Statista)
  • Bundesweit größter Engpassberuf mit Fachkraftausbildung ist die Bauelektrik, mit einer Fachkräftelücke von 16.270, für die sich keine qualifizierten Fachkräfte finden lassen (Quelle: KOFA/IW Köln)
  • Der Fachkräftemangel unterscheidet sich deutlich nach Bundesland, bei Bauelektrik schwankt die Stellenüberhangsquote zwischen 65 und rund 85 Prozent

Wie viele Handwerksstellen sind 2026 unbesetzt?

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks schätzt die aktuelle Fachkräftelücke im Handwerk auf rund 250.000 Stellen. Diese Zahl ist eine Schätzung, da nicht alle Betriebe ihre offenen Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit melden. Der tatsächliche Bedarf liegt nach Einschätzung des ZDH deshalb voraussichtlich über den offiziell gemeldeten Werten.

Seit 2015 gibt es laut ZDH mehr offene Stellen in handwerklichen Berufen, als es ausgebildete Handwerkerinnen und Handwerker ohne Anstellung gibt. Das bedeutet, dass selbst dann, wenn alle diese Fachkräfte sofort eine neue Stelle anträten, ein erheblicher Teil der offenen Stellen unbesetzt bliebe.

In welchen Gewerken ist der Fachkräftemangel am größten?

Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht regelmäßig Daten zur Vakanzzeit, also der Zeit zwischen dem gewünschten Besetzungstermin und der tatsächlichen Abmeldung einer Stelle bei der Arbeitsvermittlung. Für das Handwerk zeigt sich hier ein deutliches Bild.

GewerkDurchschnittliche Vakanzzeit
Aus- und Trockenbau300 Tage
Berg-, Tagebau- und Sprengtechnik299 Tage
Naturstein-, Mineral- und Baustoffherstellung298 Tage
Sanitär, Heizung, Klima (SHK)295 Tage
Bodenverlegung292 Tage
Hochbau281 Tage

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Vakanzzeit von Engpassberufen, Zeitraum Februar 2025 bis Januar 2026, veröffentlicht über Statista

Diese Werte sind über die letzten Jahre deutlich gestiegen. Die durchschnittliche Vakanzzeit im Handwerk insgesamt lag 2015 noch bei 104 Tagen und erreichte 2024 bereits 224 Tage, wie die Bundesagentur für Arbeit zum Tag des Handwerks 2025 mitteilte. Betroffen sind vor allem Gewerke, die eng mit der Energiewende verbunden sind, etwa durch den steigenden Bedarf an Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen und Ladeinfrastruktur.

Was ist der Unterschied zwischen Vakanzzeit und Fachkräftelücke?

In diesem Artikel werden zwei unterschiedliche Kennzahlen verwendet, die nicht verwechselt werden sollten.

Die Vakanzzeit der Bundesagentur für Arbeit misst, wie lange eine einzelne gemeldete Stelle im Schnitt offen bleibt, bevor sie besetzt oder abgemeldet wird.

Die Fachkräftelücke des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA), ein Projekt des IW Köln im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, beschreibt dagegen, für wie viele offene Stellen sich im Jahresdurchschnitt keine passend qualifizierten Fachkräfte finden lassen. Der Anteil dieser nicht besetzbaren Stellen an allen offenen Stellen wird als Stellenüberhangsquote bezeichnet.

Beide Kennzahlen ergänzen sich. Die Vakanzzeit zeigt, wie lange der Prozess am Markt dauert. Die Fachkräftelücke zeigt, wie groß das strukturelle Angebotsproblem in einem Beruf oder einer Region tatsächlich ist.

Wie groß ist die Fachkräftelücke bei Elektro und Bauelektrik bundesweit?

Auf Fachkraftniveau ist die Bauelektrik der bundesweit größte Engpassberuf überhaupt. Elektrische Betriebstechnik liegt auf demselben Anforderungsniveau ebenfalls unter den fünf größten Engpassberufen, mit einer etwas kleineren absoluten Lücke als Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege oder Kraftfahrzeugtechnik.

BerufsgattungFachkräftelückeOffene StellenStellenüberhangsquote
Bauelektrik16.27021.51075,6 %
Elektrische Betriebstechnik13.01116.62878,2 %

Quelle: KOFA/IW-Fachkräftedatenbank, Ländersteckbrief Deutschland, auf Basis von Sonderauswertungen der Bundesagentur für Arbeit und der IAB-Stellenerhebung, Jahresdurchschnitt 2025

Wie unterscheidet sich der Fachkräftemangel zwischen den Bundesländern?

Die absolute Zahl fehlender Fachkräfte ist naturgemäß in bevölkerungsreichen Bundesländern am höchsten. Aussagekräftiger für den Vergleich ist die Stellenüberhangsquote, also der Anteil der Stellen, für die sich keine passend qualifizierten Fachkräfte finden lassen.

Bauelektrik im Bundesländervergleich

BundeslandFachkräftelückeOffene StellenStellenüberhangsquote
Mecklenburg-Vorpommern49859084,5 %
Bayern3.1703.82582,9 %
Sachsen-Anhalt55468281,3 %
Sachsen8971.10681,1 %
Schleswig-Holstein72489580,9 %
Rheinland-Pfalz8441.05180,4 %
Brandenburg58673280,1 %
Niedersachsen2.0092.51080,0 %
Thüringen40852078,5 %
Saarland19825777,1 %
Baden-Württemberg1.6542.27072,9 %
Hamburg37952272,6 %
Bremen19026671,3 %
Hessen8991.35266,5 %
Nordrhein-Westfalen2.7734.21565,8 %
Berlin44868765,3 %

Quelle: KOFA/IW-Fachkräftedatenbank, Ländersteckbriefe aller 16 Bundesländer, Jahresdurchschnitt 2025

SHK im Bundesländervergleich

BundeslandFachkräftelückeOffene StellenStellenüberhangsquote
Mecklenburg-Vorpommern34442680,7 %
Schleswig-Holstein48964575,7 %
Berlin51572071,5 %
Baden-Württemberg1.1931.70570,0 %
Hessen7011.04767,0 %
Nordrhein-Westfalen1.6873.03755,5 %

Quelle: KOFA/IW-Fachkräftedatenbank, Jahresdurchschnitt 2025

Für die übrigen zehn Bundesländer (Bayern, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) zählt SHK laut KOFA nicht zu den fünf größten Engpassberufen auf Fachkraftniveau. Das bedeutet nicht, dass dort kein Mangel herrscht, sondern nur, dass die absolute Lücke in anderen Berufen dort noch größer ausfällt.

Ein klares Muster zeigt sich bei beiden Gewerken: Die Stellenüberhangsquote fällt in Berlin und im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen niedriger aus als im ländlich geprägten Mecklenburg-Vorpommern. Die absolute Zahl offener Stellen ist dort zwar kleiner, doch der Anteil der Stellen, für die es überhaupt keine passenden Bewerber gibt, ist deutlich höher.

Was bedeutet das für die Einstellungsdauer im eigenen Betrieb?

Die bisherigen Zahlen beschreiben die Lage am Gesamtmarkt. Für einen einzelnen Betrieb ist jedoch eine andere Frage relevanter: Wie lange dauert die Einstellung im eigenen Prozess, vom ersten Kontakt mit einer Bewerberin oder einem Bewerber bis zur Unterschrift?

In den bei PowerUs ausgewerteten Einstellungsprozessen lag diese Zeit im Schnitt bei knapp 30 Tagen, basierend auf 5.457 eingestellten Bewerbungen im Zeitraum von Juni 2022 bis Juni 2026. Das liegt deutlich unter der marktweiten Vakanzzeit von mehreren Monaten, die die Bundesagentur für Arbeit für einzelne Gewerke ausweist.

Zur Einordnung: Branchenübergreifend gelten in Deutschland 35 bis 55 Tage als normaler Vergleichswert für die Einstellungsdauer. Besonders lange dauert es laut Softgarden in gefragten, komplexen Bereichen wie IT oder Ingenieurwesen, dort werden teils 60 bis 90 Tage erreicht. Für Branchen mit ausgeprägtem Fachkräftemangel wie Pflege oder Handwerk beobachtet Softgarden dagegen tendenziell kürzere Einstellungszeiten, sofern ausreichend Bewerbungen vorliegen, weil Betriebe bei akutem Bedarf schneller entscheiden. Der PowerUs-Wert von knapp 30 Tagen passt zu dieser Einschätzung und liegt unterhalb des allgemeinen deutschen Vergleichswerts von 35 bis 55 Tagen.

Der Unterschied zwischen Marktdaten und Prozessdaten zeigt, dass ein strukturierter Ablauf einen erheblichen Teil der Einstellungsdauer beeinflussen kann, unabhängig davon, wie angespannt der Markt insgesamt ist. Wer die Einstellungsdauer im eigenen Betrieb verkürzen will, muss dafür nicht den gesamten Arbeitsmarkt verändern, sondern den eigenen Prozess. Zwei Stellhebel aus den bei PowerUs ausgewerteten Daten sind dafür besonders relevant.

Schnell auf Bewerbungen reagieren

Wer Bewerberinnen und Bewerber direkt anruft, erreicht sie am zuverlässigsten: Bei schneller Kontaktaufnahme liegt die Erreichbarkeit bei über 70 Prozent. Eine schnelle Rückmeldung wirkt sich direkt auf die Gesamtdauer bis zur Einstellung aus, da qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber im aktuellen Marktumfeld häufig mehrere Angebote gleichzeitig prüfen. Für Betriebe bedeutet das konkret: Bewerbungen sollten täglich gesichtet werden, und intern sollte klar geregelt sein, wer den ersten Kontakt per Telefon übernimmt.

Gehalt transparent angeben

38 Prozent der bei PowerUs ausgewerteten Stellenanzeigen enthielten keine Gehaltsangabe. Eine Gehaltsangabe bei Gesellenstellen führte zu durchschnittlich 130 Prozent mehr qualifizierten Bewerbungen im Vergleich zu Anzeigen ohne Angabe. Wer die Einstellungsdauer verkürzen will, sollte Gehalt deshalb nicht als optionalen Zusatz behandeln, sondern als festen Bestandteil der Stellenanzeige.

Diese Zahlen ändern nichts an der strukturellen Lage im Markt. Sie zeigen aber, dass ein Teil der Einstellungsdauer im eigenen Einflussbereich des Betriebs liegt, unabhängig von Region oder Gewerk.

Datenbasis

Alle Kennzahlen in diesem Artikel sind an der jeweiligen Stelle im Text mit Quelle verlinkt. Methodische Anmerkung zur KOFA-Fachkräftelücke: KOFA vergleicht offene Stellen mit Personen, die bei der Bundesagentur für Arbeit als arbeitsuchend gemeldet sind. Fachkräfte, die aktuell bei einem anderen Betrieb beschäftigt sind, fließen in diese Berechnung nicht ein. Die tatsächliche Zahl verfügbarer Fachkräfte kann deshalb höher liegen, als es die Fachkräftelücke allein zeigt.

KennzahlQuelle
Rund 250.000 offene Stellen im HandwerkZDH
Vakanzzeit gesamt, 104 auf 224 Tage gestiegenBundesagentur für Arbeit
Vakanzzeit je Gewerk (Aus-/Trockenbau, SHK, Hochbau u.a.)Bundesagentur für Arbeit, via Statista
Fachkräftelücke und Stellenüberhangsquote nach Beruf und BundeslandKOFA/IW-Fachkräftedatenbank
Vergleichswert Einstellungsdauer Deutschland, 35 bis 55 TageSoftgarden
Einstellungsdauer, Gehaltsangaben, Erreichbarkeit bei KontaktaufnahmePowerUs, interne Auswertungen (5.457 eingestellte Bewerbungen, Juni 2022 bis Juni 2026)

FAQ

Wie viele Handwerksstellen sind 2026 unbesetzt?

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks schätzt die Zahl unbesetzter Stellen im Handwerk auf rund 250.000. Der tatsächliche Bedarf könnte höher liegen, da nicht alle Betriebe offene Stellen bei der Arbeitsagentur melden.

Welches Gewerk ist am stärksten vom Fachkräftemangel betroffen?

Am längsten unbesetzt bleiben Stellen im Bauhandwerk, etwa im Aus- und Trockenbau mit rund 300 Tagen. Ebenfalls stark vertreten sind SHK-Berufe mit rund 295 Tagen. Nach der absoluten Fachkräftelücke gemessen führt die Bauelektrik mit bundesweit 16.270 nicht besetzbaren Stellen.

Ist der Fachkräftemangel überall in Deutschland gleich stark?

Nein. Zwischen Bundesländern schwankt die Stellenüberhangsquote bei Bauelektrik zwischen 65 und rund 85 Prozent, bei SHK zwischen 55 und rund 81 Prozent.

Was ist der Unterschied zwischen Vakanzzeit und Fachkräftelücke?

Die Vakanzzeit misst, wie lange eine einzelne Stelle im Schnitt offen bleibt. Die Fachkräftelücke beschreibt, für wie viele offene Stellen sich im Jahresdurchschnitt keine passend qualifizierten Fachkräfte finden lassen.

Was können Betriebe an der Einstellungsdauer selbst beeinflussen?

Die marktweite Vakanzzeit lässt sich durch einen einzelnen Betrieb kaum verändern. Der eigene Einstellungsprozess dagegen schon: In den bei PowerUs ausgewerteten Prozessen lag die Zeit von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Einstellung im Schnitt bei knapp 30 Tagen, unterhalb des allgemeinen deutschen Vergleichswerts von 35 bis 55 Tagen. Zwei Faktoren hatten dabei den größten Effekt: eine schnelle telefonische Kontaktaufnahme, die die Erreichbarkeit von Bewerberinnen und Bewerbern auf über 70 Prozent erhöht, sowie eine klare Gehaltsangabe in der Stellenanzeige.

Fazit

Der Fachkräftemangel im Handwerk ist ein strukturelles, bundesweites Problem mit rund 250.000 unbesetzten Stellen. Wie stark er sich auswirkt, hängt jedoch erheblich vom Gewerk und vom Bundesland ab. Für einzelne Betriebe bleibt daneben ein Faktor relevant, den sie selbst beeinflussen können: die Dauer des eigenen Einstellungsprozesses, vom ersten Kontakt bis zur Unterschrift.

Mehr zum Vergleich zwischen Jobbörsen und Personalvermittlung im Handwerk: Jobbörsen vs. Personalvermittlung für Handwerksbetriebe: Was lohnt sich wann?
Mehr zur eigenen Einstellungsdauer im Vergleich zum Markt: Wie lange dauert es, einen Handwerker einzustellen?
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